Die aufmerksamen Begleiterinnen der Luga-Nächte
Wenn der Lunapark in buntem Licht funkelt und Besuchende in Gruppen übers Gelände ziehen, sind sie mittendrin: die Mitarbeitenden der Sicherheit Intervention Prävention Luzern, kurz SIP. Seit 2023 sorgt das Team dafür, dass sich insbesondere junge Besuchende auch nach Dämmerungseinbruch an der Luga sicher fühlen.
Text: Roger Amberg / Bilder: Christoph Arnet
Erscheinung in der Luga-Zytig, 23. April 2026
Es ist Samstagabend im Lunapark der Luga 2025: Die Fahrgeschäfte kreisen, Musik hallt durch die Luzerner Nacht und der Geruch von gebrannten Mandeln erfüllt die Luft. Im Gewusel sind zwei Personen in auffälligen blauen Jacken auszumachen: Ladina Kathriner und Ilea Alvarez von der SIP Luzern. Ihre Aufgabe? Ein sicheres und friedliches Zusammenleben zu fördern, so wie es die SIP das ganze Jahr hindurch in der Stadt Luzern tut. Die beiden suchen im Lunapark das Gespräch mit Jugendlichen und anderen Besuchenden, erkundigen sich nach deren Befinden und vermitteln bei Bedarf.
«Geht's euch gut?», «Wie sicher fühlt ihr euch hier im Lunapark?», «Bleibt ihr auch, wenn es dunkel wird?». Die Gespräche sind offen und ehrlich. Viele Jugendliche berichten, dass sie sich im Lunapark wohlfühlen, aber häufig nach Hause gehen, sobald es dunkel wird. Anders als die Jungen, die meist in grösseren Gruppen unterwegs sind, sind Mädchen oft zu zweit oder zu dritt im Lunapark. Mit der SIP sprechen sie offen über Unsicherheiten. Genau hier setzt die Arbeit des Teams an: «Wir sind da, um zuzuhören, Rückhalt zu geben und bei Bedarf zu begleiten», erzählt Ladina, Praxisausbildnerin der SIP Luzern. Sie ist seit dreieinhalb Jahren bei der SIP, zuvor hat sie während 15 Jahren in der schulergänzenden Betreuung gearbeitet.
Beziehungen aufbauen und pflegen
Seit 2023 ist das städtische Team für soziale Intervention an der Luga präsent und richtet einen besonderen Fokus auf den Lunapark. Zwölf Personen zählt das SIP-Team aktuell. Während der Luga sind oftmals zwei von ihnen am Abend unterwegs. Dabei agieren sie präventiv, auf Augenhöhe und mit viel Gespür für feine Zwischentöne.
«Wenn du die Leute kennst, kannst du deeskalierend wirken, bevor überhaupt etwas passiert.»
Ladina Kathriner, SIP
Ein zentrales Element der SIP-Arbeit ist die professionelle Beziehungsarbeit. Es gehe nicht darum, Kontrolle auszuüben, sondern Vertrauen zu schaffen, besonders bei Jugendlichen. «Wir setzen uns konkret für den Frieden im öffentlichen Raum ein», erklärt die 26-jährige Ilea, die seit Februar 2025 in Ausbildung zur Sozialpädagogin ist und zum festen Team der SIP Luzern gehört. «Oft verändert sich schon durch unsere Anwesenheit die Dynamik und es wird ruhiger.»
Vertrauen als Schlüssel
Das Tätigkeitsfeld der SIP hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt – von einem sicherheitsorientierten Dienst hin zu einer niederschwelligen, beziehungsbasierten Sozialen Arbeit. «Früher lag das Ziel darin, Eskalationen zu verhindern. Heute gehen wir dorthin, wo sich die Menschen aufhalten, und bauen Vertrauen auf», erklärt Ladina. Genau dieses Vertrauen sei der Schlüssel. «Wenn du die Leute kennst, kannst du deeskalierend wirken, bevor überhaupt etwas passiert.»
Doch gerade an der Luga ist das eine Herausforderung: Die Jugendlichen kommen aus der ganzen Zentralschweiz, viele kennen die SIP noch nicht. Umso wichtiger ist der erste Eindruck. «Für manche wirken wir wegen der Uniform abschreckend, weil sie denken, wir seien ein strenger Ordnungsdienst», sagt Ilea. «Deshalb versuchen wir, einen empfangenden statt einen kontrollierenden Eindruck zu vermitteln.»
Begleiten statt eingreifen
Ein Einsatz im Lunapark bleibt Ladina Kathriner besonders in Erinnerung: Zwei Jugendliche sind stark betrunken. Statt sofort den Notruf zu wählen, vermitteln die SIP-Mitarbeitenden innerhalb der Clique. Zwei Freundinnen begleiten die beiden schliesslich nach Hause. Dabei sorgt die SIP dafür, dass sie sicher in den Bus einsteigen. Kein Drama, keine Polizei, aber viel Menschlichkeit.
«Oft verändert sich schon durch unsere Anwesenheit die Dynamik und es wird ruhiger.»
Ilea Alvarez, SIP
Solche Erlebnisse zeigen: Die SIP ist mehr als eine Sicherheitsinstanz. Sie ist Ansprechpartnerin, Zuhörerin, Sprachrohr. «Wir sind freundlich zu den Menschen», sagt Ilea, «und wir sehen immer den Menschen, nicht das Problem.»
Soziale Intervention mit nachhaltiger Wirkung
Die Arbeit der SIP Luzern endet nicht mit der Luga. Auch im städtischen Alltag ist das Team präsent: an Schulen, bei Asylrundgängen oder in der Betreuung von ausgrenzungsbedrohten Personen im Winter. Die Einsatzbereiche der SIP-Mitarbeitenden sind vielfältig, genauso wie die Menschen, denen sie begegnen. «Was mir an dieser Arbeit gefällt, ist die Vielfalt der Lebenswelten, in die wir Einblick erhalten», sagt Ladina. «Wir haben mit so vielen verschiedenen Personen zu tun, vom Teenager bis zum älteren Menschen. Und jedes Gespräch kann etwas bewegen.»
Ein bedeutender Fokus wird dabei auf Vermittlung und Entstigmatisierung gesetzt. «Wir bauen auf beiden Seiten Verständnis auf», erklärt Ladina. «Wenn sich beispielsweise Passanten beschweren, dass Randständige ihre Sachen liegen lassen, sprechen wir mit beiden Parteien und beraten bei Bedarf die Betroffenen, wie sie gegenseitig Rücksicht nehmen können.» Diese Art von Vermittlung braucht viel Fingerspitzengefühl und Zeit. Eine Tätigkeit, für die auch Ilea schwärmt: «Ich finde es schön, dass wir Vorurteile abbauen können, die Gemeinschaft stärken und etwas Frieden bringen.»
So leistet die SIP Luzern auch an der Luga einen wichtigen Beitrag zu einem respektvollen und sicheren Miteinander. Nicht durch lautes Einschreiten, sondern durch diskrete Präsenz, echte Aufmerksamkeit und viel Menschlichkeit.