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Luga-Zytig Luga 2026

Der Blick hinter die Panzertür

Es gibt sie in Untergeschossen von Wohnquartieren, Schulhäusern, Turnhallen oder Einfamilienhäusern: die Schutzräume. Die Abteilung Zivilschutz, Bereich Infrastruktur des Kantons Luzern, kontrolliert die Anlagen regelmässig. Was dort zum Vorschein kommt, zeigt die Begleitung einer Kontrolle vor Ort.

Luga
Luzern, Schweiz

Text: Irene Reis / Bilder: Christoph Arnet
Erscheinung in der Luga-Zytig, 23. April 2026

Daniel Giger ist im Langensand-Quartier in Luzern unterwegs. Als Fachbearbeiter Schutzräume und Ersatzbeiträge bei der Abteilung Zivilschutz ist er zuständig für die periodischen Schutzraumkontrollen im Kanton Luzern. Um 8 Uhr trifft er Bart van Weezenbeek, den technischen Hauswart der Liegenschaft, deren Schutzraum heute auf dem Plan steht.

Im Jahr 2023 hat die Abteilung Zivilschutz den Auftrag erhalten, die im Gesetz verankerten Kontrollen aller Schutzräume im Kanton Luzern durchzuführen. Seither wurden bereits 3600 der insgesamt rund 17’000 Schutzräume kontrolliert – die meisten davon durch Daniel selbst.

Bart führt den Routinier ins Untergeschoss. Hinter der Panzertür folgt Labyrinth aus Kellerabteilen. Ist das erlaubt? «Ja, ein Schutzraum darf privat genutzt werden, muss aber innert fünf Tagen einsatzbereit gemacht werden.» Das bedeutet: leer geräumt, mit Notbetten und Trockenklosett ausgestattet. 

Von Spinnweben und Mäusen

Der Rundgang führt weiter durch den Kellerraum. Die Panzertüren lassen sich – mit etwas Kraftaufwand –schliessen und wieder öffnen. «Ein gutes Zeichen», freut sich Daniel. Hinten in der Ecke treffen die beiden Männer auf das Ventilationsaggregat und den Notausstieg. Alles ist frei zugänglich, nichts versperrt den Zugang. Auch hier: «Tadellos», lobt Daniel die engagierte Vorarbeit des Hauswarts.

Als Nächstes folgt der Blick in die Fluchtröhre: ein langer, schmaler Gang, gefolgt von einem Ausstieg. Bis auf ein paar Spinnenweben ist die Fluchtröhre einwandfrei. Andernorts wurde Daniel an dieser Stelle schon von Mäusen überrascht. 

Auf engem Raum

Wie viele Menschen in diesem Raum Platz haben müssen, erstaunt. «Dieser Schutzraum bietet Platz für insgesamt 90 Personen. Das entspricht einem Quadratmeter pro Person», erklärt Daniel. «90 Leute hier drin? Kannst du dir das vorstellen? Ich nicht», erwidert Bart. Genau deshalb seien die Kontrolle und die Vorbereitung so wichtig, betont Daniel. Ausserdem relativiert er: «Die jüngsten Ereignisse haben gezeigt, dass Schutzräume nicht dazu da sind, dass man mehrere Tage darin verbringt, sondern dass man kurzfristig vor akuten Gefahren Schutz findet».

Jahrgang 1974

Es folgt der aufregendste Teil der Kontrolle: die Überdruckmessung. Alle Türen werden geschlossen und das Ventilationsaggregat eingeschaltet. Ein erster Erfolg: Es läuft! «Das ist nicht selbstverständlich», erklärt der Kontrolleur. Dieses Modell stammt aus dem Jahr 1974. Viele dieser Anlagen werden selten eingeschaltet – da sind Standschäden vorprogrammiert.

Während Daniel die Überdruckmessung vornimmt, erklärt er die Funktionsweise des Ventilationsaggregats: «Die Luft wird aus dem Notausstiegsschacht angesaugt und gefiltert in den Raum geblasen.» Die überschüssige Luft entweicht durch Überdruckventile aus dem Raum. Sein Messgerät zeigt den nötigen Druckanstieg an und die Ventile öffnen sich ruhig und gleichmässig. Daniel ist zufrieden: «Das bedeutet, dass die Türen und der Raum dicht und intakt sind.»

Handarbeit im Notfall

Doch wie funktioniert das Ganze, wenn der Strom ausfällt? Der Schutzraumprofi holt eine Kurbel hinter der Maschine hervor. «Dann wird der Motor von Hand betrieben», erklärt er. Das bringt Bart zum Schmunzeln: «Dass diese Kurbel über die Jahre an ihrem Platz geblieben ist, ist erstaunlich.» Auch den Kurbeleinsatz testet Bart unter Anleitung von Daniel sogleich – klappt!

Daniels Fazit: Keine Mängel am Raum selbst. Einzig das Ventilationsaggregat, die Gummidichtungen an den Türen sowie die Ventile müssen aufgrund ihres Alters ersetzt werden.

Kontrolle und Aufklärung

Die Arbeit macht Daniel sichtlich Freude. «Ich komme mit vielen Menschen in Kontakt und lerne zahlreiche Wohnquartiere im ganzen Kanton kennen.» Dabei treffe er auch immer wieder auf amüsante oder überraschende Situationen: von Paaren, die es sich nach 50 Jahren Ehe nicht vorstellen können, auf engstem Raum im Schutzraum verharren zu müssen, bis zum Notausstieg, der durch einen neuen Wintergarten zugebaut wurde.

Bei den Kontrollen werde nicht nur die Funktionalität getestet, sondern auch die Bestandesdaten der Räume aktualisiert. Dies sei nötig, um die Zuweisungsplanung der Bevölkerung aktuell halten zu können, die sich laufend verändert. Und für Daniel gibt es einen weiteren zentralen Aspekt: «Ich kann bei den Kontrollgängen die Bevölkerung aufklären und das Wissen über die Schutzräume verbreiten.»

Jetzt geht’s wieder zurück an die Oberfläche. Im Sonnenlicht, hält Daniel letzte Notizen fest, bevor er an diesem Vormittag drei Liegenschaften weiter den nächsten Schutzraum prüft.


Schutzräume im Kanton Luzern: Pflicht, Kontrolle und Zuständigkeiten

Im Kanton Luzern gibt es rund 17’000 Schutzräume. Die gesetzlichen Grundlagen sehen vor, dass für jede Person ein Schutzplatz in der Nähe des Wohnortes verfügbar ist. Doch wofür ist der Schutzraum genau da? Wo befindet sich der eigene Schutzplatz? Im Interview beantwortet Michael Walther, Leiter Ressort Schutzräume und Ersatzbeiträge bei der Abteilung Zivilschutz, Bereich Infrastruktur des Kantons Luzern, diese und weitere Fragen.

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