Wo Cowboys, Ritter und Piraten zu Hause sind
Was als Geschenk von Verwandten begann, ist heute eine riesige PLAYMOBIL-Sammlung. An der Luga lässt Jens Mackensen aus Hunderten Figuren ganze Welten entstehen.
Text: Aline Roesti / Bilder: Christoph Arnet
Erscheinung in der Luga-Zytig, 23. April 2026
Im Wohnzimmer einer 2,5-Zimmer-Wohnung in Zürich Wipkingen wird das Standardmobiliar zur Nebensache. Zwischen Sofa, Fernseher und Esstisch stapeln sich Kartonkisten voller PLAYMOBIL. Darin liegen ganze Welten bereit, aufgebaut zu werden: vom Wilden Westen über einen farbenfrohen Zirkus bis zur gewaltigen Ritterburg.
Diese Kisten beherbergen nur einen kleinen Teil der Sammlung von Jens Mackensen und seiner Frau Helen. Der gebürtige Mecklenburger ist PLAYMOBIL-Fan erster Stunde. «Ich wuchs in der DDR auf, dort gab es kein PLAYMOBIL. Von Verwandten aus Westdeutschland bekam ich meine ersten Ritterfiguren», erinnert sich der heute 62-Jährige. «Wir hatten zwar auch viele tolle Spielsachen, aber PLAYMOBIL war etwas Besonderes.»
Gemeinsam mit seinem Grossvater – selbst begeisterter PLAYMOBIL-Sammler – baute er damals zu den Figuren eine Ritterburg aus Holz. Bald kamen weitere Figuren und erste originale Burgteile hinzu. «Es wurde immer mehr. Und nach der politischen Wende 1989 konnte man sich die Sets dann auch im Osten selbst kaufen.»
Eine Leidenschaft, die verbindet
In Berlin lernte Jens seine Frau Helen kennen und steckte sie mit dem PLAYMOBIL-Fieber an. «Wie ich wurde auch Helen leidenschaftliche Sammlerin. Seither leben wir diese Passion gemeinsam aus», erzählt Jens. Nach dem Tod seines Grossvaters ging die über Jahre gemeinsam aufgebaute Kollektion an Helen über. «Heute ist sie die alleinige Besitzerin der Sammlung – und ich quasi ihr Manager», sagt Jens schmunzelnd.
Selbst an ihrer Hochzeit durften die kleinen Figuren nicht fehlen. Stolz zeigt Jens zwei PLAYMOBIL-Figuren im Brautkleid und Hochzeitsanzug. «Das sind Helen und ich an unserem schönsten Tag.»
Das eine passt zum anderen
Dem Spiel mit PLAYMOBIL sind kaum Grenzen gesetzt. Figuren lassen sich mit unterschiedlichen Frisuren, Kleidern oder Pferden vielseitig kombinieren. «Mich fasziniert, dass man jede Figur anders zusammenstellen kann und so immer wieder neue Welten entstehen», sagt Jens. «Man braucht nicht zwingend ein ganzes Set. Mehrere gleiche Sets lassen sich auch zu etwas richtig Grossem erweitern.»
Aus einem Plastiksäcklein holt er zwei Figuren: eine schlichte weisse Figur mit grauen Haaren und einen detailreich gestalteten Polizisten. Optisch könnten sie unterschiedlicher kaum sein, doch haben sie eines gemeinsam: «Das eine passt zum anderen», erklärt der PLAYMOBIL-Fan. «Die älteren Figuren sind einfacher gemacht und waren einfarbig. Trotzdem passen sie zu den neuen Sets, so wie meine Kindheitsfiguren auf die Pferde von heute.»
Helens PLAYMOBIL-Traum
Über die Jahre ist die Sammlung der Mackensens zu einem regelrechten Imperium angewachsen. Zwischenzeitlich gründeten sie sogar einen Verein. Unter dem Namen «Helens PLAYMOBIL-Traum» unterstützen sie Freunde und Bekannte dabei, die Sammlung weiter auszubauen und durch Ausstellungen der Öffentlichkeit zu zeigen.
Wie viele Teile die Sammlung umfasst, weiss Jens selbst nicht genau. «Allein die Westernstadt umfasst rund 100 Häuser und etwa 700 Figuren. Mit den Teilen der Ritterburg können wir eine 50 Quadratmeter grosse Burganlage mit einem zehn Meter hohen Turm bauen.» Auch die Piratenwelt ist ähnlich gross, und der Zirkus umfasst rund 100 Wagen. Bemerkenswert: Trotz der riesigen Sammlung ist kein Teil beschädigt und über die Jahre nichts verloren gegangen.
Die kleinsten Gäste an der Luga
Ihre Begeisterung möchten Helen und Jens teilen. «Wenn man eine so grosse Sammlung hat, ist es schön, sie auch zu zeigen», sagt Jens mit funkelnden Augen.
Nach der ersten Ausstellung in der Schweiz im letzten Jahr wird die Sammlung nun an der diesjährigen Luga präsentiert. Auf rund 300 Quadratmetern bauen Helen und Jens eine regelrechte PLAYMOBIL-Miniaturwelt. «Wir sortieren gerade alles. Vermutlich zeigen wir 80 bis 90 Prozent unserer Sammlung», erzählt Jens. «Sicher dabei sind die Ritterburg, die Westernlandschaft, eine Baustelle, der Circus Knie mit rund 100 Wagen in den Originalfarben des Schweizer National-Circus sowie die Schweiz im Winter.» Auch Piraten, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst sind vertreten – und sogar eine Migros-Filiale im PLAYMOBIL-Format.
Eine Sammlung braucht Platz
Der Aufbau der Sonderschau «Faszination PLAYMOBIL» dauert rund drei Wochen. Jens startet Anfang April, meist arbeitet er allein. Manchmal helfen seine Frau, Freunde oder Vereinsmitglieder.
Für die Ausstellung hat er die Sammlung von Deutschland in die Schweiz geholt. «In Deutschland lagert sie in zwei Überseecontainern. In der Schweiz füllen wir damit zwei Keller- und vier Dachstockabteile – und das ist noch nicht mal die ganze Sammlung», erzählt er lachend.
Im Land des ewigen Lächelns
Ist die Luga der Startschuss zu einer permanenten Ausstellung? «Das wäre ein Traum. Ob, wann und wie wir dies umsetzen, wird sich aber noch zeigen», resümiert Jens.
Vorerst freuen sich die Mackensens darauf, ihre Schätze an der Luga zu zeigen und damit kleinen und grossen Besuchenden eine Freude zu machen. Denn in der Welt von PLAYMOBIL gilt eine einfache Regel: Im Land des ewigen Lächelns behalten selbst furchteinflössende Piraten und Ritter ein freundliches Gesicht.