ewl im Wandel der Zeit: zwei Mitarbeitende erzählen
ewl feiert dieses Jahr 25 Jahre Eigenständigkeit und blickt auf über 150 Jahre Erfahrung zurück. Dieses Jubiläum ist Anlass für eine Zeitreise. Zwei langjährige Mitarbeitende nehmen uns mit in eine Zeit, in der Gas per Fernschreibegerät bestellt und die Stromkabel per Eisenbahn angeliefert wurden.
Heute ist es für Luzernerinnen und Luzerner selbstverständlich: Die Lampen leuchten, die Stube ist gemütlich warm, die Waschmaschinen brummen und sauberes Trinkwasser kommt aus dem Hahn. Dahinter steckt jedoch eine Geschichte, die über 150 Jahre zurückreicht – und viele Menschen, die sie mitgetragen haben. Über die Arbeit in der städtischen Energieversorgung und wie sie sich über die Jahre verändert hat, erzählen zwei Mitarbeitende, die ewl und ihr Vorgängerunternehmen – das Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerk EGW – seit Ende der 1980er-Jahre prägen: Therese Wespi und Richard Marfurt.
Viel Papier und lange Entscheidungswege
1988 betritt Therese Wespi das erste Mal das Hauptgebäude der EGW an der Industriestrasse 6 in Luzern. Mit ihren knapp 19 Jahren hat sie gerade die KV-Lehre abgeschlossen und tritt nun eine Stelle als Sekretärin an. Unter den damals rund 200 Mitarbeitenden gibt es in dem städtischen Betrieb nur eine Hand voll Frauen. Dennoch fühlt sich Therese rasch aufgenommen. «Vor allem dank des Teams und der Wertschätzung meiner Vorgesetzten», erzählt Therese. Etwas weniger begeistert beschreibt Therese ihre damalige Arbeitsumgebung: «Vieles wirkte etwas verstaubt.» Papier dominiert den Alltag. Ihr Chef diktiert, sie notiert und protokolliert mit Stenografie – der damals üblichen Kurzschrift. Die wöchentlichen Gasbestellungen führt Therese per Lochstreifen durch. Dabei wird die zu übermittelnde Nachricht durch elektrische Signale auf einen Streifen Papier zu einem Lochmuster codiert und dann mittels Fernschreibegerät gesendet. «Das können wir uns heute kaum mehr vorstellen», lacht Therese. Auch die Prozesse und Entscheidungswege sind lang. Selbst für das Einschalten der Heizung in den Büroräumlichkeiten benötigt es eine Bewilligung des Stadtrats. Und das dauert gerne auch mal eine Woche. Doch trotz manch kalter Stunden im Büro, gefällt Therese die Arbeit im Energiesektor. Besonders die vielseitigen Themengebiete mag sie: Sie gibt Energiebestellungen in Auftrag, kümmert sich um personelle Anliegen, schreibt Gas- und Stromofferten und macht Aufforderungen zu Installationskontrollen.

Schnee schaufeln und Kabel aufwärmen
Ein Jahr später und ein paar Stockwerke tiefer tritt Richard Marfurt 1989 seine Lehre als Netzelektriker beim EGW an. Er erinnert sich: «Wir Monteure waren damals im Erdgeschoss, damit wir mit den dreckigen Schuhen nicht durchs ganze Haus laufen mussten.» Die Hierarchie zwischen Monteuren und der Direktion ist damals deutlich spürbar. Es findet wenig Austausch mit Vorgesetzten statt und das «Sie» ist die Regel. In seiner Arbeit als Netzelektriker geht Richard aber auf, obwohl die Arbeitstage lang und körperlich anstrengend sind. Er erinnert sich, dass die Stromkabel früh morgens per Eisenbahn angeliefert wurden. Bei Schneefall sorgte dies für zusätzlichen Aufwand in den frühen Morgenstunden. «Damit die schwer beladene Lok den Hang hochkam und nicht ins Spulen geriet, musste unser ganzes Team den Schnee von den Schienen schaufeln und Sand streuen», erinnert sich Richard. Bei Eiseskälte durften die damaligen Kabel zudem nicht gezogen werden, was deren Montage praktisch verunmöglichte. Aus diesem Grund wurde der Ofen in der Lagerhalle eingeheizt und die Kabel damit aufgewärmt. Zum Verladen wurden die aufgerollten Kabel dann in Decken eingepackt, um sie möglichst lange warm zu halten. «Heute sind die Materialien widerstandsfähiger. Zudem gab es früher fast wöchentlich Piketteinsätze in der Nacht. Heute läuft das Netz definitiv stabiler», resümiert Richard.

Ein doppelter Neuanfang
Für Therese wird ihr Arbeitgeber in den Folgejahren noch mehr als ein Arbeitsplatz. Sie lernt hier Franz kennen, der im Finanzbereich arbeitet. Sie verlieben sich und heiraten ein paar Jahre später. Bis heute arbeiten beide noch bei ewl und haben zwei Kinder. Und wie es der Zufall so will, wird ihr erster Sohn Lukas am 1. Januar 2001 geboren – am selben Tag, an dem aus dem Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerk ein eigenständiges Unternehmen wird: ewl energie wasser luzern. Aus einer Dienstabteilung der städtischen Verwaltung wird eine Aktiengesellschaft. «Dieser Tag war für mich in jeder Hinsicht ein Neubeginn», sagt Therese schmunzelnd. Mit der Verselbständigung und der Entstehung von ewl energie wasser luzern beginnt ein neues Kapitel in der Luzerner Energiegeschichte. Auch die Strukturen verändern sich spürbar. «Die Entscheidungswege wurden kürzer, das Tempo schneller», erzählt Therese. Was früher wochenlang durch politische Gremien musste, kann nun direkter entschieden werden. Auch Richard erlebt diesen Wandel. «Früher konnte nicht einfach ein defektes Kabel in einem Graben repariert werden, dafür war eine Bewilligung nötig», erinnert er sich. «Seit ewl eigenständig ist, haben wir mehr Kompetenzen und Vertrauen.» Auch die Verantwortlichkeiten wurden neu strukturiert und Hierarchien abgebaut, beschreibt Therese die Veränderung. Ihr wird als Mutter zudem der Wiedereinstieg nach der Mutterschaftszeit erleichtert, in dem sie fortan Teilzeit arbeitet. Ihr Mann Franz betreut ebenfalls einen Tag pro Woche den gemeinsamen Sohn. «Er war zu dieser Zeit ein Vorreiter», erzählt Therese.
Wandel in der Branche
In den Folgejahren wächst das Bewusstsein für eine klimafreundliche Lebensweise und es findet ein Umdenken im Umgang mit den Ressourcen statt. Das betrifft auch die Energieversorgung – und somit auch die Stadt Luzern und ewl. Mit verschiedenen neuen Energieträgern, neuen Dienstleistungen und Beratungsangeboten erweitert ewl ihr Angebot zunehmend. Therese erinnert sich dabei gerne an 2009: die erste Einspeisung von Biogas ins Gasnetz in Inwil. Es gab ein grosses Fest. «Man hat gemerkt, dass die Energieformen im Wandel sind und sich etwas bewegt.» Für Therese und Richard hat sich ihr Aufgabengebiet zwar über die Jahre verändert, geblieben ist aber die Vielseitigkeit. Therese arbeitet heute im Team Verkauf-Support. Richard ist Teamleiter Elektrizität Netzbau. Vormittags ist er draussen auf der Baustelle und bei Kundenterminen, nachmittags erledigt er Büroarbeit. «Ich habe heute viel mit Kundinnen und Kunden zu tun, was viel Feingefühl erfordert.» Aber er mag den direkten Kontakt – und das sichtbare Resultat am Ende des Tages. «Man weiss, was man gemacht hat und bekommt dafür auch viel positives Feedback.»
Mit Verantwortung in die Zukunft
2022 sprechen sich die Stadtluzernerinnen und -luzerner in einer Volksabstimmung für eine erneuerbare Energieversorgung bis 2040 aus. Ein ambitioniertes Ziel, das ewl seither konsequent verfolgt. Neue Lösungen für Wärme, Mobilität und Infrastruktur entstehen, und mit ihnen neue Aufgaben und Kompetenzen. Müssten Therese und Richard ewl und ihr Vorgängerunternehmen mit einem Wort beschreiben, müssten sie nicht lange überlegen: «Auf die Menschen hinter ewl konnte man sich schon immer verlassen», sagt Therese. Richard pflichtet dem bei und hält fest: «Wir wissen, wofür und wozu wir arbeiten. Das verbindet und motiviert.» Und ein Wunsch für die Zukunft von ewl? ewl solle weiterhin Sorge zu den Mitarbeitenden tragen – und mutig bleiben. Die Grundlage dafür bleibt dieselbe wie vor über 150 Jahren: die zuverlässige Versorgung von Luzern. Und Menschen, die diese Verantwortung täglich übernehmen.
Wir feiern Jubiläum – feiern Sie mit!
Mit grosser Freude feiern wir dieses Jahr 25 Jahre Eigenständigkeit und blicken auf über 150 Jahre Erfahrung zurück. Dieses besondere Jubiläum wollen wir mit Ihnen feiern – am Samstag, 30. Mai 2026 auf unserem ewl Areal! Wir laden Sie ein, die faszinierende Welt der Energien zu entdecken – unter anderem mit Besichtigungen der ewl-Werke, einer immersiven WOW-Experience im Roten Haus und einer Erlebnis-Baustelle. Zusätzlich sorgen wir für Musik und Shows sowie diverse Aktivitäten für Gross und Klein.