30 Jahre UNO-Einsätze der
Schweizer Armee

Seit Herbst 2018 leistet Hauptmann Marco Billia aus Luzern einen friedensfördernden Auslandseinsatz als Militärbeobachter in der UNO-Mission UNTSO im Nahen Osten. Sein Engagement begann in Israel und führte ihn in die syrische Hauptstadt Damaskus.

Text: Daniel Seckler / Bild: zVg

Herr Hauptmann, Sie sind nun bereits seit einigen Monaten in der «United Nations Truce Supervision Organization» (UNTSO) im Nahen Osten stationiert. Was war Ihr erster Eindruck vom Einsatzgebiet?
Mein erster Eindruck formte sich in der Altstadt von Jerusalem und steht für mich sinnbildlich für das Einsatzgebiet: In dieser Stadt leben drei Weltreligionen auf weniger als einem Quadratkilometer zusammen, was bereits seit über 2000 Jahren zu Spannungen führt. 

In der UNTSO sind Sie in der OGG, also der Observer Group Golan, tätig. Was sind Ihre Hauptaufgaben als Militärbeobachter der UNO?
Meine Hauptaufgabe ist es, als unparteiischer Beobachter das 1974 zwischen Syrien und Israel geschlossene Waffenstillstandsabkommen zu überwachen. Dabei geht es darum, den höheren Führungsebenen der UNO ein unabhängiges Lagebild zu Verstössen und zu Entwicklungen, die auf mögliche zukünftige Verstösse hindeuten, aufzubereiten. 


«Die Auswirkung der eigenen Arbeit ist nicht immer unmittelbar ersichtlich, aber dennoch für die Erfüllung des Missionsauftrags wichtig.»

Hauptmann Marco Billia


Wie sieht bei Ihnen ein normaler Arbeitstag aus?
Der Arbeitsalltag kann sehr unterschiedlich sein. Je nachdem steht eine Patrouillenfahrt in oder entlang der «Area of Separation», also der für israelische und syrischen Truppen entmilitarisierten Zone auf den Golanhöhen, an. Tageweise befinde ich mich auch auf verschiedenen temporären oder permanenten Beobachtungsposten, wo ich zusammen mit meinen internationalen Kameradinnen und Kameraden allfällige Verstösse gegen das Waffenstillstandsabkommen untersuche und rapportiere. Zudem ist es Aufgabe der UNTSO, regelmässig Inspektionen der auf dem Golan stationierten israelischen und der auf dem benachbarten Hauran befindlichen syrischen Streitkräfte durchzuführen.

Wie reagierten Ihre Familie und Freunde, als Sie ihnen erzählten, dass Sie einen friedensfördernden Einsatz in der UNO leisten werden?
Die Reaktionen reichten von Unverständnis über Verwunderung bis hin zur bedingten Akzeptanz. Da ich den Wunsch nach einem friedensfördernden Auslandseinsatz mit der UNO bereits seit zehn Jahren hegte, konnte sich mein Umfeld ein wenig darauf einstellen. 

Sie befinden sich ungefähr in der Mitte Ihrer Einsatzdauer. Welche Erfahrungen nehmen Sie für sich aus der bisherigen Zeit in der UNTSO mit und wie geht es die nächsten Monate weiter?
Als Militärbeobachter der UNO ist es wichtig zu realisieren und zu akzeptieren, dass man als Individuum lediglich ein kleines Zahnrad in einer grossen Maschinerie darstellt. Die Auswirkung der eigenen Arbeit ist somit nicht immer unmittelbar ersichtlich, aber dennoch für die Erfüllung des Missionsauftrags wichtig. Nach sechs Monaten auf der israelischen Seite der Mission, bin ich nun seit einem Monat in Syrien stationiert, wo ich Ereignisse von der nun gegenüberliegen Seite beobachte und rapportiere.

Wenn Sie jemanden überzeugen möchten einen solchen Einsatz zu leisten, was würden Sie ihr oder ihm sagen?
Obwohl die eigene Komfortzone verlassen werden muss, ist ein solcher Einsatz – vor allem wegen der vielfältigen Interaktionen – eine äusserst bereichernde persönliche und professionelle Erfahrung.

Weitere Informationen unter www.peace-support.ch.

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