Ein Mädchen äusserster Einfachheit

Text: Daniela Imsand / Bild: Christoph Arnet

Alles begann damit, dass die Kaffeemaschine von Marco und Dorothea Tschümperlin kaputt ging. Das war die Geburtsstunde von GILDA. Einer Kaffeemaschine, die «die Welt eigentlich nicht braucht» – aber will. Eine Geschichte über die Kunst, Komplexes einfach zu machen und dabei keine Kompromisse einzugehen.

«Morgens eine Viertelstunde auf den ersten Kaffee warten, das ist viel zu lange», sagt Marco Tschümperlin bestimmt. Man müsse aufstehen, die Maschine einschalten und einen guten Kaffee geniessen können. Mit einem Augenzwinkern ergänzt der Ingenieur: «Und zwar schon den ersten, der aus der Maschine kommt, nicht erst den dritten oder vierten.» Für den Inhaber der Luzerner MTE Engineering AG sind das zwei Schwachstellen, die fast alle Kaffeemaschinen aufweisen. Dies hat er, als er zusammen mit seiner Frau Dorothea auf der Suche nach einer neuen Maschine war, immer wieder festgestellt. «Ich war dann so dreist und sagte: Bauen wir doch selber eine!»

Breites Portfolio und vielseitige Erfahrungen

Was es heisst, eine neue Maschine von Grund auf zu entwickeln, weiss das Ehepaar sehr gut. Mit ihrem Team des Maschinenbaubüros haben sie zahlreiche neue Maschinen marktreif gemacht. Die zwei sind Macher und packen an, wo es etwas umzusetzen gibt. Mit Begeisterung erzählen sie von ihrem Portfolio: Komponenten zu Tunnelbohrmaschinen, mechanische Teile für Seilbahnen und Achterbahnen, Maschinen zum Bebildern von Siebdruckschablonen, Verpackungsmaschinen oder Maschinen für die Gastronomie. Und seit Dezember 2012 gehört GILDA dazu – ihre Kaffeemaschine.

Gesagt, getan

Die ersten Gedanken an eine selber konstruierte Kaffeemaschine tat Marco Tschümperlin als Spinnerei ab: «Die Welt brauchte eigentlich nicht noch eine Kaffeemaschine.» Deshalb hat das Ehepaar das Projekt mit der Absicht gestartet, eine Maschine nur für sich herzustellen. Als sie aber im privaten Umfeld von ihrer Idee erzählten, stiess die auf Interesse. Eine Siebträgermaschine, die schnell auf Betriebstemperatur ist, die Qualität des Kaffees konstant hoch hält, einfach zu bedienen ist und bis zu sechzehn Mal weniger Energie braucht als herkömmliche Maschinen – das wollten ihre Freunde auch.

Hohe Massstäbe gesetzt

Also begannen die Tschümperlins zusammen mit ihrem Mitarbeiter Beat Troxler mit der Konstruktion. Es wurde viel diskutiert, nächtelang philosophiert. Zwei Jahre lang. «Wir wollten uns auf das Wesentliche konzentrieren. Ohne all den Schnickschnack vieler heutiger Maschinen», betont Marco Tschümperlin. Sie verfolgten dabei ein klares Ziel: Keine Kompromisse! Das passt ganz gut zu dem kreativen Ehepaar, das keine Herausforderung scheut, sondern sich davon zusätzlich motivieren lässt. So stellte der Luzerner hohe Ansprüche an sich und an GILDA: «Wir sind seit 25 Jahren im Maschinenbau tätig und sehen, was im Produktionsstandort Schweiz kontinuierlich wegfällt. Deshalb wollten wir alles, was machbar ist, in der Schweiz herstellen.» Dabei den Preis im Rahmen zu halten, die Qualität sicherzustellen und ihre Ziele kompromisslos zu verfolgen, sei schwierig, aber äusserst spannend gewesen.

Einfach, schlicht und stilvoll

Das Design war dann die Kür – und Chefsache. Zahlreiche Skizzen hat Marco angefertigt. Während zwei Wochen – fast Tag und Nacht. «Er war nicht mehr ansprechbar», erinnert sich seine Frau. Etwas ertappt gesteht er: «Ja, ich war schon etwas verbissen.» Aber auch da hatte er eine ganz klare Vorstellung. «GILDA musste schlicht sein. Und ästhetisch. Ein Blickfang halt.» Das ist ihm gelungen. GILDA wurde in der Kategorie «product design» mit dem begehrten Qualitätssiegel «red dot» für ästhetische Formen und nachhaltige Trends ausgezeichnet. Inzwischen verkaufen sie rund 120 Stück im Jahr und erhalten rundum positive Rückmeldungen. Und die Tschümperlins wären nicht sie, hätten sie es bei der Kaffeemaschine belassen: GILDA wurde mit einer selber konstruierten Mühle und einer Tamperbox erweitert.

1, 2, 3 – und man wird Barista

Marco und Dorothea Tschümperlin sind stolz auf ihre GILDA. Sie ist die einzige Kaffeemaschine aus Luzern. «Bisher haben wir nicht gross Werbung gemacht», erzählt Dorothea Tschümperlin. An der Luga (26. und 27. April 2019) machen sie aus den Besucherinnen und Besuchern in 1, 2, 3 Sekunden «Junior-Baristas» (Halle 2, Stand B 239 / P8). Denn mit GILDA geht das ganz einfach. So steht GILDA für Schweizer Ingenieurskunst, Präzision, Eleganz und besten Kaffeegenuss. Und sie verkörpert das auf ihre ganz eigene schlichte Art und Weise: Lesen Sie GILDA doch mal rückwärts.

Wie GILDA zu ihrem
Namen kam

Bei der Wahl des Namens hatten Marco und Dorothea Tschümperlin nicht weniger Ansprüche als an die Maschine selber. «Es musste ein Frauenname sein», erklärt Dorothea Tschümperlin. «Und er musste zum Design passen, also ästhetisch sein», ergänzt ihr Mann. Hinzu kam, dass der Name als Marke registriert und in verschiedenen Sprachen ausgesprochen werden kann. Eine knifflige Aufgabe, die sich auch über mehrere Monate hinzog. Dorothea Tschümperlin erinnert sich: «Selbst unsere Freunde haben sich den Kopf zerbrochen. Es war ständig ein Thema.» Bis zu jenem Abend in Avenches. Das Ehepaar besuchte dort Rigoletto, die Oper von Giuseppe Verdi. Eine zentrale Rolle spielt darin Gilda, die Tochter von Rigoletto. Dieser Name hat es ihnen angetan. «Er klang so schön», schwärmt Dorothea. Und er passt: In den Rollenporträts der Oper wird Gilda nämlich als «ein Mädchen von äusserster Einfachheit» beschrieben.

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